Dienstag, 21. Juni 2016

Aus dem Nähkästchen geplaudert

Du weißt es sicherlich schon. Und ich mache keinen Hehl daraus: ich bin flohmarktsüchtig und ein leidenschaftlicher Sperrmüll-Fan. Letzteres liegt darin begründet, dass ich immer wieder erstaunt bin, was alles auf den Sperrmüll geschmissen wird. Wahre Designklassiger habe ich dort schon mutterseelenallein aufgefunden. 
Und immer wieder erfüllt es mich mit Glück, einen dieser entliebten Gegenstände in meine Obhut zu nehmen, ihn mit viel Liebe wieder aufzupäppeln und in meinem Zuhause - sei es Berliner Vorstadt oder Ruhrpott - als Outcast (neben all den anderen) neu zu platzieren. Ich glaube, alle Vintage-Schätze fühlen sich hier ziemlich wohl - ohne in irgendeiner Form ramschig zu wirken.
Meine Sperrmüll-Observationen haben sich bereits auf meine Schwiegermutter übertragen, die neulich mit einem uralten Nähkästchen auf Rädern ankam, und fragte, ob ich mit diesem eigentlich intakten Stück nicht noch etwas anfangen könne. Konnte ich.

Mein Grinsekätzchen besitzt gefühlte 2 Milliarden Stifte: Buntstifte, Wachsmaler, Filzstifte, Bleistifte, Gelstifte, Glitzer-Pens, Kulis, Textmarker, Fineliner, ... dazu allerhand Accessoires wie Radiergummi aller Formen und Größen, Lineale, Schablonen, Motiv-Stanzer, Anspitzer, Präge-/Stempel, Scheren ... Hach, die Liste ist schier endlos. So viele Marmeladengläser kann man auf ihrem alten Schreibtisch (ebenfalls ein wunderbarer Sperrmüllfund) gar nicht platzieren, um all diese Dinge unter zu bringen. Ein geräumiges Nähkästchen mit mehreren Etagen und Fächern kam mir gerade recht.

Aus massivem, dunklem Eichenholz bestehend, habe ich zunächst die Kipp-Scharniere abmontiert und allen einzelnen Kästchen sowie dem Korpus und den wunderbar geformten Beinen eine erste Frische-Kur in Form einer kleinen Schmirgelmassage verpasst. Im Anschluss wurden alle Teile in einem frühlingsfröhlichen Gelb gestrichen. Nach zwei Anstrichen war das Kästchen perfekt. Innen habe ich es naturfarben und unbehandelt belassen, da die vielen Stifte sicherlich ihr übriges tun.
Nachdem ich das Nähkästchen wieder zusammengesetzt habe, hat jeder der vier Knopfgriffe noch eine bunte Schleife bekommen und die Räder etwas Öl.
Seitdem rollt das "mobile Kreativ-Center" durch unsere ganze Wohnung und beherbergt ALLES an Malutensil unter einem Dach, pardon: unter zwei Deckeln!







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