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Freitag, 2. Juni 2017

Alles anders...

In letzter Zeit beobachte ich immer häufiger, dass die Katze von einem "wirklich schönen" Tag in der Schule spricht. Scheinbar geschehen noch Zeichen und Wunder, denn es macht den Anschein, als fände sie (endlich!) Gefallen an dem sonst so leidigen Schulalltag. 

Letztens kam sie heim und berichtete freudig davon, eines ihrer zahlreichen Bücher in der Schule vorstellen zu dürfen. Der Clou an dieser Buchvorstellung sei, dass man den Inhalt des Buches mithilfe eines selbstgestalteten Schuhkartons und dessen "Füllung" vorstellen dürfe. 
Eine tolle Idee, wie ich finde, die unbedingt nachahmenswert ist und deren Ergebnis ich Dir heute vorstellen mag!

Lange überlegten wir gemeinsam, welches Buch sich wohl für solch einen Vortrag, der nicht länger als fünf Minuten in Anspruch nehmen sollte, eignet. Die Wahl des Grinsekätzchens fiel bei einem beherzten Griff in den Bücherschrank auf "Amelie Anders - stellt die Welt auf den Kopf". 
Das toll illustrierte Buch, (das nämlich auch Erwachsene zum Blättern und vor allem Schmunzeln einläd) besitzen wir schon einige Jahre. Wenn Kinderbesuch bei uns nächtigt, ist "Amelie Anders" immer und stets "the book to be", bei dem gekuschelt und laut gelacht werden darf, bevor kleine Kinder ermattet in den Kissen versinken.

Der Inhalt des Buches ist kurios: Amelie startet mit einer Gute-Nacht-Geschichte in den Morgen, an dem zum Frühstück Abendbrot - natürlich Salamistulle, Chips und Malzbier - serviert wird. 
Und wenn die Eltern erst einmal in den Elterngarten gebracht sind, geht das Abenteuer für Amelie richtig los. Mit ihren besten Freunden und den beiden Trollen erlebt sie sagenhaft Verqueres. Glitzernder Zaubersand spielt dabei eine nicht unerhebliche Rolle. 

Ein Karton aus dem 4-Quadratmeter-Schuladen unserer Vorstadt war schnell besorgt und die Lieblingsszenen aus dem Buch rasch in Farbe kopiert. 
Dann ging es ans Werk: mit selbst gepanschtem Kleister-Sand, Glitzerkleber und Acryl(spray)farbe, Papier, Garn und einer Menge Zubehör aus Puppenhaus und Spielkisten entstand dieser zauberhafte und leicht magisch anmutende Karton (wohl ganz im Sinne von Amelie), den das Grinsekätzchen diese Woche in der Schule vorstellte.













Die Innenseite des Karton-Deckels verrät alle wichtigen Kurzinformationen rund um das Buch. Der Zettel hierzu war obligatorisch von der Lehrerin ausgegeben worden, sollte vom vortragenden Kind ausgefüllt werden und den Einstieg in die Buchvorstellung erleichtern. 


Den Karton-Deckel hatte das Grinsekätzchen in Hellblau gesprayt - die Farbe passt so schön zum maritimen Kinderzimmer Amelies. Neben dem Buchtitel in Großaufnahme tummeln sich auf ihm zwei niedliche Trolle, die Amelie durch jede Seite des Buches begleiten. Sie scheinen gerade den glitzerigen Zaubersand ins Säckchen zu füllen. Mal sehen, wo die Zauberspur hinführt. Ach nee, das verrate ich lieber nicht - denn es lohnt sich, einmal selbst einen Blick in das Buch hinein zu werfen.



22 staundende Augenpaare erwarteten gespannt die Öffnung des Kartons und begutachteten Amelies nachgebautes Kinderzimmer im Schuhkarton - mit eigenem Sandstrand, einer Hängematte und Lampions natürlich.

Die Buchvorstellung in der Schule mit all den lustigen Accessoires kam grandios an, schließlich hatte das Grinsekätzchen noch die Außenseiten des Kartons mit Ausschnitten aus dem Elterngarten und den Besuch in der etwas anderen Eisdiele beklebt.


An Amelies Kinderzimmer-Kartonwand hatten wir einen Mini-Magnet angebracht, an dem zum Schluss der Papagei Platz finden durfte. Er ist Amelies sehnlichster Wunsch, der ihr vom Grinsekätzchen zum Vortragsende erfüllt wurde. 

Weil Schoko-Bananen die Leibspeise von Amelies bester Freundin sind, hatten sich das Grinsekätzchen und ich etwas besonderes überlegt: zum Ende des Vortrags gab es für alle begeisterten Zuhörer als Highlight kleine, eisgekühlte Schoko-Bananen-Snacks, die wir eigens am Vorabend vorbereitet hatten.  

Auf Amelie! Und auf die Freundschaft!












Dienstag, 17. Januar 2017

Gutschein

Heute bekam ich eine geheimnisvollen Gutschein für einen "Koktel" zugespielt. (#ichliebezweitklässlerschriftsprache)
Die Einladung flatterte mir quasi zu. Unbemerkt. Plötzlich lag sie auf der Küchenanrichte und verhieß wohl fruchtiges Trinkvergnügen. Ob das komisch ist, jetzt mitten im tiefsten Winter, wo einem der Sinn doch eher nach einem Heißgetränk steht? Ganz und gar nicht!

Im Kinderzimmer erwartete mich eine auf Hochtouren bollernde Heizung, Schneeregen am Fenster, eine wundervoll eingerichtete Cocktailbar (ich nehme an, der vormals dort ansässige Kaufladen war insolvent geworden) und ein kleines Grinsekätzchen mit den Worten "Los, Mama, wir spielen Sommer!" Ja, gerne. Immer her damit...




Im Ausschank gab es Bananenmilch mit einem Hauch von Honig und Zimt (das Kätzchen weiß, was mundet).



Dazu kleine Fruchtspieße, die wirklich köstlich mundeten.



Was eine professionelle Cocktailbar ist - die hat auch Knabberzeug auf der Theke:




Eine tolle Idee, um den Vitaminhaushalt im Winter aufzufrischen: "Cocktailbar" spielen* und Kinder frisches Obst als Getränk zubereiten lassen. Selbst gemixt schmeckt es nämlich doppelt so lecker. Und in der "Heppy Auer" bekommt man übrigens zwei für den Preis von einem...

* Für eine Kinder-Cocktailbar eignen sich toll milchkompatible Früchte wie z.B. Bananen. Die schmecken nicht nur in frischer Bio-Kuhmilch toll, sondern auch in Soja- oder Mandelmilch. Was hälst Du von einem Schuss Honig? Oder Ahornsirup?
Säurehaltige Früchte wie Äpfel, Heidelbeeren, Weintrauben und auch TK-Fruchtmischungen können gut mit Fruchtsäften verlängert werden. 
Frische Minze darf jeden Cocktail abrunden. Auch Schmelzflocken sind toll zum Verfeinern. Und dann: ab mit allen Lieblingszutaten in den Mixer...

Montag, 20. Juni 2016

Butterbrot-Wolke

"Matsch nicht mit Lebensmitteln rum!", höre ich meine Mutter aus vergangenen Tagen mahnen. ("Ach menno, macht aber so´n Spaß!" höre ich mich flüsternd entgegnen.) Nun ja, diese mütterliche Mahnung stets im Gewissen (und zuweilen auch selbst praktizierend), habe ich heute mal eine Ausnahme gemacht.  Also bei mir jetzt. Schließlich gilt es, Grinsekätzchens Laune an einem verregneten Montagmorgen etwas aufzuheitern.

Als kleine Pausenüberraschung für die Schule habe ich ihm daher das Lieblings-Leberwurst-Toast einmal etwas anders serviert:


Um das Toast in Form zu bringen, habe ich eine Wolkenform aus einer stabilen Aluschale (kennt jeder Griller!) gefertigt. Wer sich traut, kann natürlich auch aus freier Hand schneiden!
Der Zuschnitt des Apfels mit dem Pittermesser war zeitaufwendiger, als es vielleicht aussieht. Damit der "Regenschirm" keine (Stock-)Flecken bekommt, habe ich ihn kurz in Zitronenwasser eingelegt. Den Griff habe ich aus einem Knickstrohhalm gefertigt. Er kann also noch bei der Schulmilch Verwendung finden.
Die Regentropfen sind Grinsekätzchens liebste Traubenzuckerdrops und eine süße Erdbeere darf heute auch mit in die (selbst bestempelte) Brottüte.

Wenn Du allerdings denkst, ich bin hierfür schon um 4:30 Uhr aufgestanden - dann irrst Du! Alles fleißige Vorabendarbeit...
Und wenn Du weiterhin denkst, so einen Schnibbelpausenbrotirrsinn gibt es jeden Tag bei uns, kann ich Entwarnung geben. Heute war eine absolute Ausnahme. Ehrlich!

Donnerstag, 19. Mai 2016

Grinsekätzchens Lieblingsversteck

Also, unser Grinsekätzchen ist eine Freigängerin. Bei 1000 qm wunderschönstem Garten auch gar nicht anders denkbar.
Sie liebt es, herum zu streunern und auf die Jagd zu gehen. Am liebsten nach Käfern und anderem Getier. Ich berichtete bereits.
Im Moment liebt sie Feuerkäfer. Davon haben wir solche Massen im Garten, dass sie neulich erst anfragte, ob wir die putzigen (!!!) Käfer nicht in einem Terrarium halten könnten, um sie besser beobachten zu können. Zum Glück konnte ich sie davon überzeugen, dass die orangeroten Krabbler sich im Garten unter Ihresgleichen viel wohler fühlen und sie ja dort - ob ihrer Menge - stets und nahezu überall beobachtet werden können. Soweit, so gut.

Natürlich braucht ein Grinsekätzchen auch einen Rückzugsort im Garten. Ihrer ist seit einigen Jahren ein kleines, aber sehr feines Gartenhäuschen, das Herzkönig und ich mit viel Hand- und Herzarbeit aufgebaut, lackiert und eingerichtet haben. Und zwar binnen 48 Stunden. Es war ihr aller größter Herzenswunsch zum 3. Geburtstag und nach ewig langer Recherche sind wir erst zwei Tage vor ihrer Party mit einem Basisbausatz aus dem Baumarkt fündig geworden. Puuuuh. Glück gehabt. Geburtstag gerettet. Damals.

Da die Gartensaison seit einigen Tagen wieder eröffnet hat, ist es selbstredend, dass so ein Gartenhäuschen auf Vordermann gebracht werden muss, denn schließlich hat es einen langen, nasskalten  Berliner Vorstadt-Winter hinter sich.
Herzkönig war für Kleinreparaturen zuständig, Grinsekätzchen und ich für die Reinigung, Einrichtung und Neubepflanzung. Es war so ein Spaß - vor allem für uns Mädchen - und ganz schön aufregend, alles wieder herzurichten.
Heute hat ihr kleines Garten-Refugium zum ersten Mal nach der Winterpause Wiedereröffnung. Es gibt Kinderbesuch und zur Feier des Tages eine Runde Limo auf´s Haus....

Das kleine Gartenhäuschen ist aus dem Winterschlaf erwacht
Die am Häuschen rankende Clematis wird von niedlichen Wäscheklammern gehalten
Der zarte Flieder, der in ganz in der Nähe wäschst, passt im Frühjahr besonders gut zur Farbe des Häuschens
Vor den Blumen am Zaun turtelt ein Vogelpärchen, das im Dunkeln fluoresziert
Der Zierlauch in Häuschen-Nähe rahmt es perfekt ein
Hund und (Grinse-)Katz verstehen sich bestens, auch wenn er manchmal....
Rhododrendron voll im Farbrausch
Im Baum über dem Häuschen gastieren dann und wann kleine Vögel
Lila Blümchen am Fenster
Das Gartenhäuschen mit Gemüsebeet im Vordergrund
Es kann länger dauern: der Faselhase scheint gerade zu Besuch zu sein...
Auf dem alten DDR-Kinderherd wird drinnen gerade frischer Gänseblümchentee zubereitet
Oh, Post. Von Oma? Nee, von Tante
Limo zum Auftakt in eine neue Gartensaison. Und ein tolles Buch zum Schmökern




Sonntag, 15. Mai 2016

Nashorn im Garten!

Heute in unserem Garten - beim Kompostumgraben - ist uns dieses "possierliche Tierchen" über den Weg gelaufen. Herr Grzimek wäre vermutlich verzückt gewesen bei diesem Anblick!

Es handelt sich um einen unter Artenschutz stehenden Nashornkäfer; mit geschätzten 5 cm Größe ein prächtiges Exemplar, oder?
Ein waschechter Nashornkäfer aka Oryctes nasicornis
Mein Grinsekätzchen liebt es, (ständig neues und möglichst viel) Krabbelgetier zu entdecken. Ich eigentlich weniger. Aber dieser Käfer hat uns beide gleichermaßen fasziniert. Wir haben ihn also nach ausgiebier Sichtung zurück in den Kompost gesetzt, wo er sich eiligst wieder in die Erde vergraben hat. 

Bis dann mal, kleines Nashorn!

Dienstag, 19. April 2016

Herzlichen Glückwunsch!

Ich rede wirklich nicht gerne darüber, aber irgendwo las ich einmal, dass Schreiben befreit:

Die Tage musste ich zum regulären Elterngespräch in die Schule; Lernstand des Kindes erfahren, Termine abfragen, das Übliche.
Die Lehrerin meines Grinsekätzchens empfing mich freudig an der Klassenraumtür, führte mich ins Klassenzimmer und an kleinen Schulbänkchen besprachen wir im Folgenden alle wichtigen Neuigkeiten rund um das kleine, schnurrende Geschöpf (wie ich erfuhr, "schnurrt" es in der Schule weniger. Aber das ist ein anderes Thema.)
Als wir unser Gespräch beendeten, atmete die Lehrerin tief durch, lächelte mich selig an und beglückwünschte mich mit einem sanften Händedruck. Etwas irritiert - denn ich wusste nicht, wem oder was dieser Glückwunsch galt - fragte ich nach dem Grund ihrer empathischen Bekundung.
Mit leicht zugekniffenen Augen, hochgezogenen Schultern und einen Blick auf meine WAMPE säuselte sie sanft: "Na, zu dem Geschwisterchen, das ihre Tochter so freudig herbei sehnt! Wann ist es denn so weit?"
Hää? 
Geschwisterchen? 
Etwas beschämt outete ich mich und erklärte, dass mein Bauchinhalt keinesfalls ein Geschwisterchen für mein Grinsekätzchen umfasse, sondern vielmehr mein ausschweifender Kaloriengenuss sei. (Gibt es schlimmeres für eine Frau als diese Vermutung? Nein!)
Daraufhin stammelte die Lehrerin sichtlich verlegen etwas von sie habe gedacht, gehört zu haben, dass meine Tochter von einem Baby geredet habe und ein Geschwisterchen komme und ich schwanger sei....

Na denn - Aufklärung erfolgt.

Auf dem Heimweg im Auto (nein, nicht auf dem Fahrrad!) sinnierte ich noch lange - auf meinen Bauch schauend - über dieses Gespräch und beschloss, etwas gegen weitere Mutmaßungen meiner Mitmenschen zu unternehmen.
Denn ich hätte fast vergessen zu erzählen, dass ich in der vergangenen Woche mit unserer Gartenbank eingekracht bin (nein, Schatz! Es waren nicht Deine Eltern! Sorry für die kleine Notlüge!)



Montag, 11. April 2016

Freunde

Dieses Gedicht hat mein Grinsekätzchen heute mit aus der Schule gebracht. Ich finde es zauberhaft nicht nur für Kleine - auch für Große:

Freunde sind wichtig
zum Sandburgenbauen,
Freunde sind wichtig,
wenn andere dich hauen.
Freunde sind wichtig
zum Schneckenhaussuchen,
Freunde sind wichtig
zum Essen von Kuchen.

Vormittags, abends im Freien, im Zimmer...
Wann Freunde wichtig sind?
Eigentlich immer!
Georg Bydinski

Freitag, 1. April 2016

Frühlingserwachen


Leben ist nicht genug, sagte der Schmetterling.
Sonnenschein, Freiheit und 
eine kleine Blume muss man auch haben.
Hans-Christian Andersen



Donnerstag, 3. März 2016

Was für ein Zirkus!

Komischerweise kann ich mich nicht daran erinnern, als Kind mit meinen Eltern jemals im Zirkus gewesen zu sein. Seit einigen Tagen habe ich eine leise Ahnung warum.

Mein Grinsekätzchen liebt Zirkus. Ihr letzter Geburtstag stand unter diesem Motto und all ihre Gäste durften standesgemäß verkleidet mit Eintrittsticket im "Garten-Zirkus" erscheinen, Waffeln, Zuckerwatte und Popcorn naschen, auf Holzpferden voltigieren, Kunststücke einüben und diese süßigkeitenverschmiert einem ausgewählten, geduldigen Publikum vorspielen... 


Selbstredend, dass man - gastiert ein echter Zirkus in der Nähe - diesen auch besuchen muss. An einem regnerischen Nachmittag beschlossen wir also, einen Mädchenausflug in den Zirkus zu machen. In einen kleinen familiengeführten Vorstadt-Zirkus. Ramba-Zamba. Rucki-Zucki. Zapperlotti. Ich weiß den Namen nicht mehr genau. 
Der Vorstadt-Zirkus ist, sagen wir: überschaubar. Der Eintrittspreis allerdings umso weniger. Wir gingen in die 16-Uhr-Vorstellung, die mit ca 35 Besuchern ausgebucht war. Grinsekätzchen und ich fanden einen hervorragenden Platz, von dem aus wir alles überschauen konnten.

Das Programm startete mit einem Tusch vom Band und einer hochschwangeren Zirkusdirektorin in einer etwas eigenwilligen Anzug-Frack-Kombination. (1. Gibt es wohl adäquate Schwangerschaftsmode für das Zirkus-Gewerbe? 2. Gott, was wenn die Fruchtblase während einer Vorstellung mitten in der Manege geplatzt wäre? Ob sie das noch als Kunststück oder Zaubertrick mit hätte einbinden können? Vermutlich.) Sie moderierte ihren jüngsten Sprössling, einen ca. 8 jährigen, als Clown verkleideten Jungen an, der wohl in Kinderaugen ziemlich lustig erschien, denn man konnte wildes Gekicher kleiner Gäste im Zuschauerraum vernehmen. Unter den Augen der schwangeren Direktorin bespaßte der kleine "Zucchini" (so oder ähnlich hieß er wohl) eine ganze Zeit lang die Menge. 
Ich ließ meine Gedanken während seiner Darbietung schweifen und sortierte die Termine der nächsten Tage, als ich plötzlich aus meiner Unaufmerksamkeit heraus gerissen wurde, weil der moderierende Pinguin geradewegs auf mich zukam, die Hand nach mir ausstreckte und die übrigen Zuschauer bat, mich mit einem kräftigen Applaus auf die Bühne zu bitten. 
Etwas irritiert leistete ich ihr Folge. Ein ebenso irritiertes Grinsekätzchen blieb mit runzelnder Stirn und flehendem Blick auf seinem Platz zurück. 
Madame Pinguin platzierte mich in die Mitte der Manege. Gott. Alle Strahler waren auf mich gerichtet. Mein Herz pochte. Ich blinzelte in die Menge. Der kleine Zucchini kam, wirres Zeug plappernd, (das kleine Gäste wohl wieder ziemlich witzig fanden - ich nicht) mit einem Hulahup-Reifen zu mir und stülpte ihn mir über. Die Schwangere, die nur unwesentlich beleibter war als ich mit meiner dicken Daunenjacke, forderte mich auf, mit dem Reifen einige Hüftumkreisungen zu machen und versprach für erfolgreiches Absolvieren dessen einen "tollen Preis". 
Mir wurde heiß in meiner Daunenhülle, wusste ich doch, dass ich mich genau jetzt - übrigens mit oder ohne Jacke - zum zweiten Clown in der Manege machen würde. Der Gedanke war mir zuwider. 
Ich beruhigte mich mit dem Gedanken, dass ich zum Glück nicht vor einem ausverkauften Zuschauerraum im Zirkus Roncalli mit ZDF-Live-Schalte stand sondern nur vor 34 glotzenden, kleinen und großen Gesichtern! Ich nahm den Reifen, holte Schwung und schaffte es, ihn eine halbe Umdrehung lang meine Jacke streifen zu lassen. Dann fiel er zu Boden.
Und meine Darbietung war beendet.
Neben wildem Gekicher kleiner Gäste vernahm ich zahlreiche mitleidige Gesichter großer Gäste und einen recht unaufdringlichen Applaus. 
Ich sah, wie die Zirkus-Direktorin mit einer Flasche "Veuve Clicquot" freudestrahlend auf mich zuwatschelte und dachte, Schampus sei eine ordentliche Entschädigung für den Straftatbestand der Nötigung. Hätte sich nicht plötzlich der kleine Zucchini ihr in den Weg gestellt, die Flasche entrissen und mir einen läppischen Lolly als Dankeschön in die Hand gedrückt....

Dienstag, 23. Februar 2016

Kein Sonntag ohne Flohmarkt

Letzten Sonntag bin ich wieder einmal meiner Sucht erlegen. Schon im Morgengrauen stellt sich sonntags üblicherweise bei mir dieses wohlige, aufgeregte Gefühl im Magen ein, das mich dazu nötigt, das kuschelige Bett zeitig zu verlassen, rasch zu frühstücken und mich für den Flohmarkt zu rüsten. Eine zwanzig minütige Fahrt kostet es mich (auf der ich seit neustem zur Einstimmung der CD von Deichkind mit "Der Flohmarkt ruft" selig lausche) und schon bin ich da, in diesem geschäftigen Mikrokosmos von Anbietern und Interessierten, Crepes- und Bratwurstgeruch, Kindern und Erwachsenen - alle suchend nach einem tollen, möglichst günstigen Kleinod für daheim. So auch ich.
So mischte auch ich mich wieder einmal unter die Menge. Zugegebenermaßen unter eine kleine Menge, denn im tiefsten Winter (wir haben gerade 2 Grad und eisigen Wind) sind die Flohmarktstände und -besucher eher überschaubar. Leider.
Trotzdem stieß ich beim genüsslichen Schlendern auf eine großartige Terrine aus Porzellan, die mir schon vor Wochen aufgefallen war. Heute musste ich sie mir "angeln". Der Fisch biss erstaunlich schnell an!
Ich liebe ihre ovale Form und den Deckel mit leicht transparenter, türkisfarbener Lasur und dem Fisch darauf. Die Lasur der Schale hat ob des Alters zahlreiche Risse, weswegen sie vermutlich Wasser zieht und die Porzellanfarbe sich leicht verändert hat. Lebensmittel wollte ich nicht mehr darin aufbewahren, aber für meine Serviettensammlung vorerst genau das Richtige. Ich liebe sie: