Sonntag, 8. Januar 2017

Spickzettel

... oder auch "Spickis" genannt, waren zu meiner Schulzeit - zumindest nach der Grundschule - sagen wir: in regelmäßigem Gebrauch.


Das Thema rund um die Perfektionierung "kleiner Heimlichtuer" kurbelte schon damals meine Kreativität wahnsinnig an. 
So erinnere ich mich daran, Reimfolgen, Matheformeln und Lateinvokabeln zunächst auf Bleistiften und Füllern verewigt zu haben (man sollte hier allerdings unbedingt auf die Schreibrichtung achten, in der man sein Objekt beschriftet, sonst kann man beim Halten desselbigen u.U. den Spick-Text - weil gegenläufig - nicht mehr ablesen. Schon passiert. Daher mein Hinweis.) 
Später dann - das zu Lernende wird umfangreicher - habe ich mich Thermoskannen, Regenschirmen und anderem, größeren Utensil bedient, um meine Defizite im XXS-Format nieder zu schreiben.
In weitere Details will ich an dieser Stelle gar nicht einsteigen. Du wärst womöglich schockiert. Das Grinsekätzchen ebenso. Also schweige ich. Und habe Verständnis, denn bei meinem Grinsekätzchen habe ich eine leichte Aversion gegen Mathe entdeckt. Sie zeigt sich darin, dass es in Mathe scheinbar nieeee Hausaufgaben auf hat, das angefangene Arbeitsblatt und keinen Umständen vervollständigen darf (O-Ton: "Vorarbeiten ist verboten!") und im Allgemeinen die Mathe-Unterlagen oft zum Wochenende in der Schule vergessen werden ("Ich hatte so viel zu tragen, Mama, da konnte ich nicht auch noch....")

In der zweiten Klasse geht es hart zur Sache. Der Zahlenraum bis 100 muss erkämpft, ja, erobert werden.
Es muss also etwas her, das die vielen Zahlen "visueller" macht und kleine Stolpereien beim Kopfrechnen entschärft. 
Der Spickzettel, vielmehr "die Spickbox", die ich ihm dafür gebastelt habe, sieht so aus:




Bist Du "Feuer und Flamme" für meine Idee? Schau her, sie geht so:

Material:
Streichholzschachtel / Stoff- oder Geschenkpapier(reste) / Acrylfarbe / farbiges Stopfgarn / 100 farbige (Holz-)Perlen  
Werkzeug: 
Lineal / lange Nadel / Schere / Pinsel / Sprühkleber oder Klebestift 

1. Du besorgst Dir eine Streichholzschachtel. Meine hat die Größe L 11 x B 6,5 x H 1,5 cm. Nach Belieben beklebst und/oder bemalst Du nun Hülle und Schachtelinneres. Dabei bleibt es Dir überlassen, welches Material und welche Farben  Du verwendest. Wenn Du von Weihnachten noch Geschenkpapierreste besitzt, kannst Du sie prima zum Verkleben benutzen. Auch Masking Tape eignet sich super zum Verzieren der Schachtel. Ich habe zu Pinsel und Farbe gegriffen und das Innere Türkisblau bepinselt und die Schachtelhülle mit pastellfarbenem Schneeflocken-Papier beklebt. Mit Sprühkleber wird das Verkleben besonders ordentlich und knitterfrei.
2. Mithilfe von Bleistift und Lineal zeichnest Du nun am linken und rechten Rand des Schachtelinneren 10 gleichmäßig voneinander abstehende Punkte ein. Sie dienen Dir als Einstichhilfe für die 10 Perlenreihen, die Du nun fertigen und fädeln musst.

3. Lege Dir ausreichend Perlen bereit. Nimm eine lange Nadel, fädele das Stopfgarn ein (ich belasse das Garnende auf der Rolle, um später ggfs. die Garnmenge nachzujustieren) und pickse durch das erste Loch unten links (Linkshänder fangen immer unten links an; rechts ist auch legitim!). Dann fädele die ersten 10 Perlen auf. Die Nadel führst Du nun aus dem vorgezeichneten Punkt unten rechts. Deine erste Perlen- bzw. Zahlenreihe ist nun fertig. Für die zweite Reihe piekst Du nun eine "Etage" höher in die Markierung am rechten Rand und fädelst dann wieder (in entgegen gesetzter Richtung) 10 Perlen auf...

4. Hast Du die 10. Reihe geschafft, spanne nun das Garn so fest, dass sich straffe Perlenreihen ergeben. Vernähe und verknote die Enden und/oder verklebe sie. Fertig. Jetzt kann drauf losgerechnet werden. Wie viel war doch gleich 60 plus 13?

In die Wochenend-Hausaufgaben sind wir nun erstmals mit dem kleinen Rechenschieber-to-go aka "Spickbox" gestartet:  ein echter Erfolg!
Die sonst echt lästigen Matheaufgaben waren ruckizucki erledigt und haben wohl das erste Mal richtig Spaß gemacht. "Girls just wanna have fun" (wusste schon Cindy Lauper zu besingen) -- und das hatten wir....



Kommentar veröffentlichen