Donnerstag, 24. November 2016

World of Wichtel-Craft

Die neue Lehrerin meines Grinsekätzchens fragte mich die Tage, ob ich einen "kreativen Input" für die vorweihnachtliche Gestaltung des Klassenzimmers liefern könne. Klaro. Nichts lieber als das! Aber, Moment mal kurz...

Es gilt, eine wilde Horde von 23 Kindern - vornehmlich Jungen - dazu zu motivieren, mit mir zu basteln. Herausforderung No I. Herausforderung No II ist es, die 40 qm Klassenzimmer so gefüllt zu bekommen, dass es einigermaßen weihnachtlich anmutet. Hier ist also üppige Fensterdekoration gefragt sowie eine passende Dekoration im Raum.
Die Bastelaktion möglichst in zwei Schulstunden zu verpacken, heißt 90 Minuten, ist meine Herausforderung No III.

Am liebsten bastele ich ja mit Müll, mit vermeindlichem Müll. Oder Resten, die Haushalt und Bastelkiste so hergeben. Für mein Schulprojekt habe ich mir also folgende zwei Bastelarbeiten überlegt:

Für die erste Idee habe ich aus dem Garten einen großen Haselzweig besorgt, der für die Decke des Klassenraumes gedacht ist. An ihm soll eine lustige Schar Weihnachtswichtel zum Einsatz kommen, die über den Kindern wacht und sie beim Lernen in der Vorweihnachtszeit tatkräftig unterstützt (Flüstervorsagen inklusive - das war die Vorgabe der Kinder). Jahaaa, so etwas kann ich liefern!

Die kleinen Wichtel sind schnell mit Resten von Kartonage gemacht. Mithilfe einer Schablone müssen die Kinder aus roter Kartonage lediglich ein Dreieck ausschneiden. Mit einer runden Schablone wird ein Kreis aus weißer Kartonage geschnitten sowie zwei kleine Kreise - oder auch (gestanzte) Sternchen -  als Zipfelmützenspitze. Zum Aufhängen haben wir roten Zwirn bereit gehalten.
Dann kann die Wichtel-Manufaktur schon los gehen. Dem aus der Schablone gefertigten größeren weißen  Kreis werden rundherum kleine "Franseln" verpasst. Das wird der Wichtelbart. Danach wird der Kreis mittig durchgeschnitten. Je ein franseliger Halbkreis wird nun so auf Vorder- und Rückseite des vorher zugeschnittenen roten Dreiecks geklebt, dass sich ein kleines, bärtiges Wichtelmännchen ergibt. Schnell noch mit ein paar Augen, Nase und Schnäuzer versehen und ein paar geheime Weihnachtswünsche zugeflüstert, schon kann der Wichtel in das Geäst gehängt werden. Damit sich die rote Schar auch direkt ein wenig beheimatet fühlt, haben wir einige gesammelte Tannenzapfen mit bunten Pompons versehen und zwischen den Zweigen platziert.
Der alte Hausmeisterschulwichtel war beim Aufhängen des voluminösen Haselzweiges übrigens behilflich.







Zum Schluss schweben zahlreiche Weihnachtswichtel über den Kinderköpfen, die so individuell und niedlich geworden sind, dass sie mit meiner Ursprungsvorlage gar nicht mehr so viel gemein haben. (Bei einigen Exemplaren frage ich mich allerdings: Vampir oder Wichtel? Aber, nichts für ungut. Ich verbuche es unter "kreativer Freiraum".)

An die großen Fenster platzieren wir meine zweite Bastelidee: niedliche Adventskränze, je vier in einer Gruppe. Die Kränze bestehen aus Papptellern, deren Mitte ausgeschnitten wird und die mit Wasser- und Acrylfarbe beidseitig bemalt werden. 
Aus Klorollenresten lassen sich schön Ilexzweige nachahmen, mit denen der Kranz sich prima bestücken lässt. Bunte, alte Knöpfe, Perlen, Mini-Tannenzapfen und weihnachtliche Stanzmotive werden ebenfalls zu hervorragendem Kranzschmuck. 

In die Mitte des Kranzes wird eine Kerze aus Kartonage-Resten platziert, die den kommenden 1. Advent verheißungsvoll einläutet. (An dieser Stelle sei bemerkt, dass sich auch ein blaues Ufo unter den Bastelarbeiten befindet.)



Während 23 Paar Kinderhände eifrig schablonieren, schneiden, kleben und verzieren, lasse ich es mir nicht nehmen, ihnen mein liebstes Weihnachtsgedicht vorzulesen:

Die Weihnachtsmaus

Die Weihnachtsmaus ist sonderbar (sogar für die Gelehrten), 
Denn einmal nur im ganzen Jahr entdeckt man ihre Fährten.

Mit Fallen und mit Rattengift kann man die Maus nicht fangen. 
Sie ist, was diesen Punkt betrifft, noch nie ins Garn gegangen.

Das ganze Jahr macht diese Maus den Menschen keine Plage. 
Doch plötzlich aus dem Loch heraus kriecht sie am Weihnachtstage.

Zum Beispiel war vom Festgebäck, das Mutter gut verborgen,
mit einem mal das Beste weg am ersten Weihnachtsmorgen.

Da sagte jeder rundheraus: Ich hab' es nicht genommen! 
Es war bestimmt die Weihnachtsmaus, die über Nacht gekommen.

Ein andres Mal verschwand sogar das Marzipan von Peter;
Was seltsam und erstaunlich war. Denn niemand fand es später.

Der Christian rief rundheraus: ich hab es nicht genommen! 
Es war bestimmt die Weihnachtsmaus, die über Nacht gekommen!

Ein drittes Mal verschwand vom Baum, an dem die Kugeln hingen,
ein Weihnachtsmann aus Eierschaum nebst andren leck'ren Dingen.

Die Nelly sagte rundheraus: Ich habe nichts genommen! 
Es war bestimmt die Weihnachtsmaus, die über Nacht gekommen!

Und Ernst und Hans und der Papa, die riefen: welche Plage!
Die böse Maus ist wieder da und just am Feiertage!

Nur Mutter sprach kein Klagewort. Sie sagte unumwunden: 
Sind erst die Süßigkeiten fort, ist auch die Maus verschwunden!

Und wirklich wahr: Die Maus blieb weg, sobald der Baum geleert war,
sobald das letzte Festgebäck gegessen und verzehrt war.

Sagt jemand nun, bei ihm zu Haus,- bei Fränzchen oder Lieschen - 
da gäb es keine Weihnachtsmaus, dann zweifle ich ein bißchen!

Doch sag ich nichts, was jemand kränkt! Das könnte euch so passen! 
Was man von Weihnachtsmäusen denkt, bleibt jedem selber überlassen.

(James Krüss)

Am Ende des Unterrichtes lasse ich klebrige aber mit ihrem Bastelwerk zufriedene Kinder zurück, die fast ein wenig enttäuscht scheinen, dass ihre Arbeiten als Dekoration in der Schule verbleiben müssen. Na dann: alles richtig gemacht, oder?
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