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Mittwoch, 11. Mai 2016

Mein schönster Sperrmüllfund

Eines der aller größten Highlights meines Berliner Vorstadtlebens trug sich im vorletzten Herbst zu, als mein Herzkönig und ich beim Spazierengehen einen maroden Bauwagen in einem verlassenen Waldstück unserer Ortschaft fanden. Also vielmehr: ich fand ihn. Und es war Liebe auf den ersten Blick! 
Mein Herzkönig guckte mich entsetzt an mit diesem alles-in-Ordnung-mit-dir-Blick, als ich mich furchtlos durch das meterhohe, zeckenversäuchte Gestrüpp wand, um mir dieses Sperrmüllphänomen aus der Nähe anzusehen. 
Ich wusste gleich, dieser Bauwagen muss vor dem weiteren Verfall gerettet und von mir unter die Fittiche genommen werden.
Der Bauwagen an der Fundstelle im Wald

Mit etwas organisatorischer Vorarbeit und viel (Wo)Menpower hievten wir mit Freunden schlussendlich diesen gigantischen Sperrmüllfund aus dem Wald und transportierten ihn - wenngleich auch nicht ganz straßenverkehrsordnungslegitim -  in unseren Garten. Dort wurde er in den letzten Monaten mit viel Handarbeit und noch mehr Herzblut von uns Total-Laien zu neuem Leben erweckt.

Zuerst haben wir uns nach gründlicher Sichtung der Substanz und Vermessung des Wagens zahlreiche Skizzen sowie einen Ablaufplan erstellt, der uns helfen sollte, die Reihenfolge der Sanierungsmaßnahmen besser zu sortieren und festzuhalten.
Eine der 1. Skizzen
Grinsekätzchens 1. Entwurf
Außen war die Verlattung absolut marode, morsch und nur noch teilweise vorhanden. Riesige Löcher klafften in der Verschalung.


Der Bauwagen nach dem Transport in unseren Garten

Intaktes Blechdach und Gerüst - sonst alles morsch

Innen war er völlig verdreckt und mit Abfall und Lumpen übersäht. Einem riesigen Wespenschwarm (und zahlreichen anderen Insekten-Familien, die unser Grinsekätzchen allesamt "entlarvte") hatte der Bauwagen wohl als Bleibe gedient; das Nest mussten wir fachgerecht entfernen, die Familien umsiedeln.

Das Innenleben



Dann begannen wir, den Bauwagen komplett zu entkernen und entschalen. 
Die ersten Schrauben wurden entfernt
Unterbau, Holzboden, Teile des Grundgerüstes und die Dachkonstruktion blieben allerdings erhalten. Das dichte Blechdach hatte das Innere wie auch den Holzboden weitestgehend vor der Verrottung geschützt.


Reparatur einiger Stützbalken

Ein Holzboden, der sich nach einem kurzen
Erstanschliff (zur Sichtung der Substanz) schon wieder sehen lassen kann

Der komplett entkernte Bauwagen mit frisch holzschutzlasiertem Gerüst


Die Baustelle: zwischenzeitlich
ein hervorragendes Osterversteck!

Zwei von insgesamt drei Fenstern mit Metallrahmen wurden von mir liebevoll aufgearbeitet. Das letzte hatte aufgrund des Zustandes keine Überlebenschancen mehr; anstelle dessen wählten wir ein großes Butzenfenster, um möglichst viel Licht im Bauwagen zu haben und den Blick in den Garten genießen zu können. Antiquitätenhändler sei dank, fanden wir im Ort genau das Richtige.

Die Fenster mit Metallläden vorher und nachher -
ausgebeult, geschliffen und lackiert

Für die neue Verschalung haben wir uns extra dicke, qualitativ hochwertige Profilhölzer ausgesucht, die der Optik des Originalzustandes des Bauwagens möglichst nah kommen sollten. Nach einer aufwendigen Vorbehandlung der Profilhölzer begann ein weiterer Meilenstein: die Anbringung der neuen Verschalung. 
Zeitgleich fertigte uns ein Schreiner die hölzernen Rundbögen an, die jeweils an den Stirnseiten zum Einsatz kommen sollten und dort den Dachüberstand abstützen.

Die ersten Profilhölzer werden verlegt

Nachdem die Fenster wieder eingesetzt waren, die Außenschale verlegt war und die Rundbögen gesetzt, wurde von einem befreundeten Elektriker die Elektrik für einige Innen- und Außensteckdosen sowie Licht verlegt.






"Bergfest"
Dann endlich wurde die neue Verschalung - nach ausgiebiger Farbberatung im Freundes- und Bekanntenkreis in Pistaziengrün gestrichen.


Weißer Rundbogen und aufgearbeitetes
Belüftungsblech an der Stirnseite
Die Glasscheiben für die Fenster wurden nun individuell vermessen und zugeschnitten, Stück für Stück eingesetzt und verfugt.
Frisch eingesetzte und verfugte Scheiben im Butzenfenster
Der frisch gestrichene Bauwagen mit neu befestigtem Dach
Die Tür mit Riegel und Türknauf
Der nächste und letzte Meilenstein wird die Innenausstattung werden. Nach Dämmung und Verschalung des Inneren wird es gemütlich:
Im Internet ergatterten wir zwischenzeitlich 2nd-Hand einen unbenutzten Werkstattofen, der nach dem fertigen Innenausbau in einer Ecke des Bauwagens seinen Platz finden und uns an ungemütlich kalten Tagen wohlig wärmen wird. 

Ebenso wollen wir das Bauwageninnere mit einem kleinen Kühlschrank, Arbeitsfläche, Regalen, Tisch und einem Daybed ausstatten - für ganz viele Mußestunden, Spielspaß, Übernachtungsabenteuern, gemütlichem Tee- und Kaffeegenuss und noch ganz vielem mehr....

Die Fortsetzung sowie weitere Bilder folgen also in Kürze!

Erster Frühlingsgenuss am Bauwagen

Dienstag, 26. Januar 2016

Home is where the heart is...

Mitte des vergangenen Jahres haben wir uns ein klitzekleines Refugium im Herzen meiner Heimatstadt zugelegt, das es insb. mir erlaubt, wann immer mich das chronische Heimweh packt, "nach Hause" zu fahren. 
Ich vermisse meine Familie, meine Freunde und die fabelhaften Menschen, die mich dort umgeben. Ganz zu schweigen von den großartigen Cafés, Bars, Restaurants, die sich auf meinem Kiez befinden und deren Geruch, Gemütlichkeit und Gaumenfreuden mich magisch anziehen.... 
Mit dem Erwerb der kleinen Wohnung haben wir einen absoluten Glücksgriff gelandet; die 37 qm große Dachgeschosswohnung entsprach von der Lage, Raumaufteilung und ihren Einbaumodulen genau unserer Vorstellung. Ihr Zustand war nicht mehr der aller Beste, aber es war eine Herausforderung für uns alle drei, dieses kleine Stück vom Glück wieder herzurichten.



Dabei war es mir wichtig, dem Stil des Hauses und der Wohnung treu zu bleiben, und da es sich um ein Haus aus den 50er Jahren handelt, war mir ganz schnell klar, dass ich Teile des Einrichtungsstils den lovely 50ies anpassen wollte. 
Zudem wollte ich den Versuch starten, eine Wohnung komplett und ausschließlich mit hochwertiger 2nd-Hand-Ware, Flohmarktfunden, upcycelten Gegenständen und "Erbmasse" aus der Familie auszustatten und einzurichten. Und? Sieh her, es hat funktioniert!

Das Schlafzimmer glich bei der Besichtigung einer mexikanischen Würfelbude (großartiger Ausdruck, den ich hier im Osten gelernt habe). Es war mit schwarzen Rollos versehen, vollgestopft mit Bett, Sideboards, Regalen, Kleiderschrank, Klimaanlage, schwarzem Schreibtisch, Stühlen = PLUNDER!



Beim Herrichten unseres 3er-Bettenlagers mussten wir ein bisschen ausprobieren, wie sich der Raum optisch am nettesten und praktischten befüllen lässt, da er nur knappe 10 qm misst. 
Er beherbergt nun ein zauberhaftes Kinderbett, das Elternbett und einen kleinen Kleiderschrank. Spiegel und schöne Bilder und farblich aufeinander abgestimmte Accessoires, wie beispielsweise eine weiß-blaue Stickdecke (ein Erbstück), die wir als Tagesdecke für das Kinderbett umfunktioniert haben, runden nun das Zimmer ab und spenden ganz viel Wohlgefühl.
Die beiden oberen Bilder zeigen exakt die Perspektive der beiden unteren Bilder. Aus Esche schwarz und Buche vor nikotingetränkter, gelber Tapete wird ein Schlafzimmerträumchen in weiß und maritim.




***

Zum Wohnzimmer: da der Voreigentümer diese doch recht eigensinnig gemusterte, blaugraue, mit zahlreichen "Luftlöchern" versehene Couch - vermutlich ein Relikt der 80er - sein Eigen nannte und, wie erwähnt, größtenteils in Esche schwarz eingerichtet war (ich erspare Dir das Grauen an der kompletten Bildserie), hatte ich mir vorgenommen, keinerlei schwarze Elemente in die Wohnung einzubringen. Aus Protest, sozusagen. 
Eine kleine, mit kleinen Dachgauben versehene Wohnung braucht einfach Luft, Licht und viel Weiß!







Und so ist im Wohnzimmer das folgende Wohn- und Wohlgefühl entstanden:



Es beherbergt nun ein Teak-Sofa aus den 60ern im Danish Design, das sich mithilfe zweier Scharniere an den Lehnen zu einem Daybed bzw. einer langen Liegefläche ausziehen lässt (#stylisches Chillen). Die Bezüge und Kissen in Petrolblau habe ich selbst genäht, um die unschönen karierten Bezüge aus Boucle los zu werden. Wie gefällt Dir die Scherenlampe? Sie macht herrlich warmes Licht und läd zum gemütlichen Sofa- & Sesselschmökern ein.




Die alte Schulwandkarte mit Europamotiv läd oft zum Schwelgen ein: entweder wir planen gemeinsam unsere nächste Urlaubswunschroute oder wir erinnern uns sehnsütchtig an vergangene Familienurlaube.

Den Sekretär habe ich für einen kleinen Obolus aus einer Haushaltsauflösung erstanden. Er stand viele Jahrzehnte unbenutzt auf einem Dachboden, hat viel Stauraum und kann sich mit seiner türkisen Troddel wirklich sehen lassen, oder?
Die Lampe über dem Schreibtisch habe ich aus einem alten Globus gefertigt, den ich auf dem Sperrmüll gefunden habe. Mit Fassung und Kabel versehen, eines meiner kleinen Highlights im Wohnzimmer! Der "adoptierte" Affe von Kay Bojesen hat selbstverständlich alles im Blick und hängt gemütlich ab!
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Vom wohligen Wohnzimmer nun ab in die Küche: die Einbauküche war ursprünglich sehr funktional und nüchtern eingerichtet. Dennoch verfügt sie über hochwertige Basiselemente und eine Naturholzarbeitsplatte, was ich sehr mag. Aufgepeppt sieht ein Ausschnitt der Küche nun so aus:
Sie beherbergt nun zahlreiche großartige Vintage-Schätze vom Flohmarkt, wie eine alte Küchenwaage, die als Ablage meiner Kochlöffel dient und einiges an Gewürzen zum Kochen bereit hält. 
(Die wirklich einzige Neuware der Wohnung befindet sich übrigens in der Küche: das Essbesteck!)









Für meinen Herzkönig und alle kaffeeverliebten Besucher wartet in der Küche eine ebenfalls 2nd-Hand erstandene Nespresso-Maschine auf ihren Einsatz. Du glaubst nicht, was wir für köstliche, baristawürdige Kaffeekreationen er mit ihr bereiten kann! Mhhhh. Teetrinker kommen selbstverständlich auch auf ihre Kosten. Für dessen Zubereitung bin ich zuständig. Milch oder lieber Zitrone dazu? Ein Shortbread gefällig?

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Das Badezimmer war - ähnlich wie die Küche - mit Echtholz-Einbauelementen ausgestattet. Praktisch ist der geräumige Waschbeckenunterschrank. Nach Reinigung und Neuanstrich des Innenraumes beherbergt er nun einiges (Zahlreiches!) an Mädchenkrams -- und auch eine klitzekleine Herzkönig-Utensil-Ecke. Hier eine vorher-nachher-Impression des wohl ursprünglich selbst "gefrickelten" Unterschrankes:




Das Holz der Verkleidung mussten wir ebenfalls reinigen, ölen und das Drumherum mit kleinen Glücklichmachern versehen. Für ein bisschen Wellness auf knappen 4 qm Badezimmer!



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Nun zur Diele. Auch hier war etwas Feinschliff notwendig. Mit weißer Farbe und einigen Pastellakzenten wurde aus alt neu (ich liebe diese vorher/nachher Bilder):


 Alter Blick auf Wohnungstür vom Schlafzimmer aus - und umgekehrt


Der neue Blick in die Diele vom Wohnzimmer aus!

Die großartige Makremee-Umhängetasche ist ein wahres Flohmarktschätzchen und -schnäppchen und ist viel zu schade, um sie im Schrank zu verstauen. Daher darf sie sich repräsentativ am Spiegel in der Diele zeigen. Dieser hat einen echten Teakrahmen und  - man glaubt es nicht - ist ebenfalls ein Fund vom Sperrmüll. Hinter ihm verbirgt sich der Sicherungskasten, der in der kleinen Diele viel zu viel Aufmerksamkeit hatte. Damit man dennoch an die Sicherungen heran kommt, haben wir den Spiegel mit stabilen Scharnieren versehen. So hat man aufgeklappt direkten Zugang....


Diese tolle Mustertapete mit pastelligen Dreiecken ziert den Kaminvorsprung in der Diele. Mit ihr wirkt die Diele viel "plastischer" und geräumiger. Jetzt hat sie Format. 
Als leidenschaftliche Lokalpatriotin darf selbstverständlich auch ein Ruhrpottindiz nicht fehlen. So habe ich  diese wundervolle Radierung auf dem Vorsprung platziert - der erste Blick von der Eingangstür aus fällt direkt hierauf! Und jedes Mal, wenn ich anreise, die Wohnung aufschließe und auf das Bild schaue, weiß ich einmal mehr: das ist meine Heimat!

Im linken Hintergrund siehst Du ein klassisches String-Regal aus den 50ern. Die Seitenbügel habe ich weiß gesprayed, so wirkt es freundlicher und luftiger, und auf den Nussbaumregalböden alles mögliche an hübschen Krimskrams dekoriert. I love it.
Seit neuestem steht unter dem Regal noch eine alte  Kinderbierbank aus Holz mit Metallfüßen. Sie hat ein perfektes Format für die schmale Diele, denn mehr Platz war nicht. Ideal für eine kleine Verschnaufpause zum Puschenanziehen...


Das Farbschema für diese doch kompakte Wohnung habe ich mir lang durch den Kopf gehen lassen. Ich wollte, dass sie trotz ihrer Größe (oder besser: Klitzekleine) möglichst geräumig, freundlich und offen wirkt.
Schlussendlich habe ich mich an den bereits vom Voreigentümer ausgelegten Fliesenboden in der Küche orientiert: marineblau. (Not my first choice an Fliesenbodenfarbe und -material kann ich nur sagen. Meine aller erste Wohnung in den 80ern hatte ich in blau eingerichtet und war froh, diese Farbe für immer los zu sein). Schnell stellte sich aber heraus, dass sich mit einer weißen Basis der blaue Ton als hübscher "Begleiter" eignet und so habe ich versucht, die Wohnung in dieser Farbpalette mit einigen dezenten Farbkontrasten einzurichten. 

Bei der Möbelwahl habe ich darauf geachtet, mit hellen Hölzern und offenen (Regal-)Elementen zu arbeiten. Sie greifen die Farbe des Laminatbodens schön auf und wirken freundlich. Die Rattanstühle in der Küche, sowie ein Vintage-DDR-Spiegel im Wohnzimmer sind "luftig" geflochten und geben den Räumlichkeiten so einen leichteren Akzent.

Bei Einzug mussten wir die nikotingetränkten Wände allesamt 4 (in Worten: vier!!!) Mal mit weißer, hochwertiger Wandfarbe streichen, bis alle Vergilbungen unsichtbar waren. Ein wahrer Kraftakt, der sich schlussendlich aber gelohnt hat! 





Wir alle drei lieben diese Wohnung, die meine Omi nach Erstbesichtigung "kleines Schwalbennest" getauft hat. Ein passender Name, wie wir finden!