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Dienstag, 23. August 2016

"Körmes" auf Crange

Die Sommerferien neigen sich langsam dem Ende zu und etwas wehmütig schaue ich - das Ruhrpottmädchen - auf die Ferien zurück. Drei Wochen in meiner Heimat waren einfach nicht genug, um den großartigen Großstadtsommer ausgiebigst zu genießen.

Zahlreiche Pläne sind noch offen geblieben, dabei wollte ich mal so richtig auf die Kacke hauen: bis zur Geisterstunde wach bleiben, unbemerkt ganz viel Schokolade aus meinem Geheimversteck futtern, Scherzanrufe machen, im Freiluftkino übernachten, im Pilz-Häuschen, das auf der Haupteinkaufsstraße Lose verkauft, ein "Pommes- Currywurst" ordern... und schwupps -- war die Zeit vorbei und ich habe all das nicht gemacht.

Was ich aber gemacht habe: ich war auf Crange. Mit der halben Mischpoke quasi. Die andere Hälfte haben wir dann beim Gang über die Kirmes von den Fahrgestellen aufgepickt und wir waren zum Schluss eine richtige Gang... 
Aber, zurück zum Anfang. Nach elendig langer Parkplatzsuche - von einem Parkleitsystem kann man hier leider nicht sprechen - und einem 20 minütigem Lauf zum Schauplatz des Geschehens, galt unser erster Gang dem Riesenrad. Grinsekätzchen und ich wollten in luftiger Höhe die Weiten des Ruhrgebiets genießen, unsere nächsten Fahrgeschäfte orten, und dabei feststellen, dass wir den Fotoapparat zuhause auf dem Küchenschrank vergessen hatten.
Wir stiegen mit zwei weiteren Fahrgästen in eine Gondel und rückten langsam aber stetig in den Himmel. Es war herrlich, der Himmel klar und die Sonne ging langsam unter. Ich atmete tief durch und verspürte dieses Wohlgefühl, das ich nur im Ruhrgebiet habe...
Der "Fluggast" neben uns war mit einer sensationell guten Kamera ausgestattet und ich beneidete ihn um jeden einzelnen "klick", den seine Kamera eifrig von sich gab. Ich erzählte ihm leidvoll von meinem Malheur und er bot an, das Grinsekätzchen und mich zu fotografieren und mir die Bilder zuzumailen, wenn ich mag. Wenn ich mag? Großartige Idee! Retter in der Not!
Nach einem kleinen Shooting tauschten wir unsere Mail-Adressen aus und zogen mit einer netten Verabschiedung von dannen.
Meine drittklassigen Handy-Fotos von wildem Zuckerwattewettessen und berauschendem Happy-Sailor-Fahren (ich war seekrank danach) brauche ich Dir gar nicht präsentieren. Was ich Dir aber präsentieren kann, sind wirklich großartige Fotos, die mich Tage später, zurück in der Berliner Vorstadt per Post erreichten.
Klaus, der nette Gondel-Begleiter, hatte nach einem ersten Austausch unserer Riesenrad-Fotos angeboten, mir seine gesamten Kirmesfotos des Abends zur Verfügung zu stellen.  Soooo nett! Das machen nur waschechte Ruhrpöttler, ich sag´s Dir! 
An dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön, Ihnen Klaus, für dieses grandiose gute-Laune-Goodie!

So schaute ich mir mit ganz viel Wehmut aber auch ganz viel Seelenglück knallig bunte, verrückte, wilde Fotos an, die den Abend mit Zuckerwatte, Kokosecke, Losbude, und Backfisch so herrlich dokumentieren. Aber, sieh' selbst:



















Copyright by Klaus Perthel

Donnerstag, 7. April 2016

Kirmes-Knusper

Seit Ostern haben wir Familienbesuch aus dem "Pott" hier in unserer kleinen, verträumt langweiligen Berliner Vorstadt: die Schwiegereltern sind zu Besuch. Sie sind alteingesessene, waschechte Ruhrpöttler. Sie denken so, reden so und essen so.
Wenn sie uns besuchen, gibbet zünftiges und deftiges Essen. Mit Superfood, vegetarischer oder gar veganer Kost, Bio-Lebensmitteln und Chia-Samen können sie nix anfangen. Brauchen sie auch nicht. Wenn die Schwiegereltern kommen, wird alte, traditionelle Hausmannskost aufgetischt. Solide und deftig.
Gern kocht und backt meine Schwiegermutter aus ihrem Familien-Repertoire (sie stammt aus einer Bäcker-Dynastie); gerne koche ich alte Rezepte von meinen Omis und Uromis.

Die Tage unterhielten wir uns über "die guten alten Zeiten" und die Unternehmungen, die wir als Kinder am meisten geliebt haben.
Herzkönig und ich - zwei Kinder der "early 70ies" - liebten ganz besonders die Kirmesbesuche unserer Kindheit. Die große Sommerkirmes am Gruga-Park, gefolgt von der legendären und größten NRW-Kirmes in Crange. Die Kirmes der 70er und 80er mit Maikäferbahn, Raupe, Autoscooter, Riesenrad, Zuckerwatte, Backfisch und Co.
Letzteres machte uns beim Schwelgen in vergangenen Tagen solch einen Appetit, dass ich - heute an der Reihe mit der Zubereitung des Mittagessens - der Bagage diesen knusprigen Backfisch-Burger präsentierte:



Sieht er nicht zum Anbeißen lecker aus? War er auch. Und vor allem war er rasch zubereitet.
Für ein deftiges Mittagessen dieser Art mit reichlich Kirmes-Feeling benötigst Du:

- frisches Ciabatta-Brot
- Kopfsalat oder auch Ruccola
- Kirschtomaten
- Gurke
- Remoulade
- klein gehackte Schalotten
- frische Zitrone nach Geschmack
- TK Backfisch zur Zubereitung im Backofen

Der Backfisch wird nach Anleitung zubereitet, die Zutaten klein geschnibbelt und jeder darf sich seinen Burger nach eigenem Gusto zubereiten. Gerade das Grinsekätzchen liebt Fisch und Do-it-yourself-Küche. Alle fanden die Idee zum Mittag großartig und alle Ruhrpottherzen und -mägen waren zufrieden. Und satt.

Wenn Du Dir etwas mehr Mühe machen möchtest, kannst Du den Backfisch auch frisch zubereiten - mit einem knusprigen (oder wie Omma sacht: "knupperichen") Bierteig. 
Hierzu benötigst Du für 4 Personen

- ca 1000 g frisches Seelachs- oder auch Rotbarschfilet
- 250 ml helles Bier
- 250 g Mehl
- 4 Eier
- ca. 80 g Butter
- Salz und Pfeffer aus der Mühle
- Fritteuse und gutes Frittierfett

Zuerst wird das leicht gesalzene Mehl mit dem Bier glatt gerührt. Danach werden die Eier getrennt und das Eigelb wird untergemischt. Während der Teig 20 Minuten ruhen sollte kannst Du das Eiweiß zu festem Eischnee schlagen.
Die zerlassene, max. leicht warme Butter nach der Ruhezeit unter den Bierteig mischen, dann den Eischnee vorsichtig unterheben.
Die gesäuberten und trocken getupften Fischfilets mit Salz und Pfeffer aus der Mühle würzen und die Fischportionen bei ca. 170 Grad 6-8 Minuten lang in der Fritteuse ausbacken. Hierbei sind mehrere Frittiervorgänge notwendig, da der Fisch sich in der Fritteuse nicht berühren sollte. 
Anschließend auf Küchenpapier abtropfen lasen und servieren - wie in guten alten Zeiten auf der Kirmes!

"Herein spaziert und dabei sein -- bei einer neuen Runde, einer Wahnsinnsfahrt....!"